L'Eroica Germania
Was aus eine winterlichen Idee, basierend auf einer kurzen Dokumentation, entstanden ist, wurde harte Realität für uns, die L’Eroica Germania 2022. Nur verrückte Radfahrer treffen an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt, um sich mit über 35 Jahre alten Rädern und Ausrüstung auf die Tour, oder besser Tortur, zu begeben. Entstanden ist die Idee natürlich in Italien, auf einer der vielen Strade Bianchi. Die Touren führen über Hügel, Berge, Schotterpisten und durch die anliegenden Weinberge, damit die guten Tropfen unterwegs verköstigt werden können.

Aber genug zur Einleitung. Die Idee war vorhanden, das am nächsten liegende Rennen bei Mainz, der Stichtag zur Anmeldung fett im Kalender markiert wurde, da die Teilnehmerzahl auf 500 begrenzt ist. Nach der Buchung ging die Suche los. Es mussten Räder her und natürlich auch die passende Kleidung. Die Trommeln im Verein wurden geschlagen und alte Schätze ausgegraben. Unser Dank gilt Ebi, Hotte, Udo, Karsten und Bernd, die uns tatkräftig mit ihrem Material versorgt haben. Die alten Langarmtrikots wurden umgenäht und die Sturzkappen getestet - zur Probe vorsichtshalber ohne Asphaltkontakt. Wolfgang sorgte – für einen technisch einwandfreien Zustand, auch dir einen herzlichen Dank.

Am Freitag dem 19. August konnten wir bereits einige Räder vor Ort begutachten, von alten Halbrennern mit Öllampe bis hin zu Wettkampftauglichen geschossen (natürlich von vor 1986). Nach einer ausgiebigen Mahlzeit und notwendigen Stärkung ging es früh ins Bett. Der nächste Tag ruft, die Vorfreude war riesig!

Früh am Morgen zwängen wir uns in die Trikots – die Sportler damals waren wohl doch etwas anders gebaut als wir und überprüfen ein letztes Mal die Räder. Dann geht es endlich los! Die ersten gemütlichen Meter, flach am Rhein entlang, konnten einen falschen Eindruck wecken. Mit der Gemütlichkeit war es schnell vorbei. Es ging über kleine Sträßchen durch die Weinberge, spätestens hier wurde uns bewusst, dass 1400 hm auf 80 km wohl doch gar nicht mal so wenig sind. Und prompt kam der erste richtige Anstieg. 50 Zähne als kleines Kettenblatt sind riesig! Das war wohl der erste Aufwecker. Nicht nur der Geist war wach, auch die Muskeln haben gemerkt, heute müssen Sie etwas tun. Aber der Ausblick entschädigt für die Quälerei. Schon leicht angeschlagen kamen wir an der ersten Verpflegungsstelle vorbei. Der Kuchen und Saft gab uns notwendige Unterstützung, dachten wir, bis wir mit gefüllten Mägen den anschließenden Gipfel bezwingen mussten.

Immerhin kämpften wir nicht alleine, sondern haben auf den letzten Metern am Berg zwei Hessen aufgegabelt, oder sie uns? Man wird es wohl nicht mehr herausfinden :). Gemeinsam machten wir uns auf den Weg. Wir, die Berliner, lernten viel über den Rheingau. Die Aussicht war grandios und das Wetter spielte mit, ganz im Gegensatz zu der leicht regnerischen Vorhersage. Es flogen nur Sprüche statt Regen durch die Luft. Wir lernten schnell, dass das hessische Mundwerk mindestens genauso lose ist, wie das Berliner. Die Kilometer sind verflogen, die Abfahrten waren schnell. Gefühlt waghalsige Manöver ließen uns die schwer erkämpften Höhenmeter vernichten (ganz ungewohnt die ganzen Bremsgeräusche ohne Verzögerung :)). Nach einigen Kilometern entlang der Wisper wurde über kühle, blonde Erfrischungsgetränke philosophiert. Auch der trockene Mund machte sich bemerkbar. So wurde ein schöner Ausschank von unseren zwei hessischen Mitfahrern angepriesen. Kaum da füllte sich die Raststätte mit unzähligen Bikern und verrückten Radfahrern. Aber es hilft alles nichts, der nächste Berg wartete. Kaum war die Hälfte der Höhenmeter geschafft, roch es nach Kartoffelsuppe. Die letzten Kräfte wurden mobilisiert, um die nächste Verpflegungsstation und die wohlverdiente Mahlzeit zu erreichen. Was sich hier wie eine Kette von Verpflegungsstationen anhört, war in Wirklichkeit stets meilenweit entfernt.

Die Raststation brachte die notwendigen Reserven für die Abfahrt über poltern auf den Betonplatten. Mit müden Beinen und Armen, Fingern die sich kaum noch an der Bremse halten konnten, klapperten trotz voller Konzentration Zähne, Knochen und Fahrräder. Doch Zeit zur Erholung gab es, unten angekommen, keine. Der nächste Winzer wartete schließlich auf eine ausgiebige Begutachtung in einigen Kilometern Entfernung. Der kalte, weiße Tropfen war lecker und tat gut, den Körper beisammen zu halten. Die letzten 4 km gingen von nun an ausschließlich bergab.

Zu viert rollten wir über die Ziellinie, erschöpft aber glücklich. Was ein Tag, was ein Event. Noch gar nicht ganz realisiert was gerade alles geschehen war, wurde bereits über die nächsten Veranstaltungen philosophiert. Eventuell muss es jetzt zum Ursprung, nach Italien.

Wahnsinnig schöne und anstrengende 80 km und 1400 hm waren geschafft, gute Verpflegung, lustige Gespräche, witzige Sprüche und eine schöne Zeit haben den Tag geprägt!

Anbei ein paar kommentierte Bilder, welche vielleicht für sich allein sprechen mögen :).

Viel Grüße an alle, die bis hierhin durchgehalten haben und eine schöne Zeit, genießt das Radfahren, wünschen euch

Christian und Marcel Eroica.jpg

Lichterfelder Rundstreckenrennen 04.06.2022

Willkommen auf der Webseite der Zehlendorfer Eichhörnchen.

rtf